{"id":4162,"date":"2021-06-30T23:42:45","date_gmt":"2021-06-30T21:42:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.human-rights-year.com\/?p=4162"},"modified":"2021-08-30T23:45:51","modified_gmt":"2021-08-30T21:45:51","slug":"amnesty-international-belarus-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.human-rights-year.com\/de\/2021\/06\/30\/amnesty-international-belarus-2020\/","title":{"rendered":"Amnesty International: Belarus 2020"},"content":{"rendered":"<div class=\"block block-ctools-block block-entity-fieldnodebody\">\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/informieren\/amnesty-report\/belarus-2020\">Das Jahr 2020 war in Belarus<\/a> von nicht nachlassenden friedlichen Protesten gepr\u00e4gt. Die Pr\u00e4sidentschaftswahl im August war Ausl\u00f6ser f\u00fcr die eklatanteste Unterdr\u00fcckung der Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, die das Land seit seiner Unabh\u00e4ngigkeit erlebt hat. Oppositionelle Pr\u00e4sidentschaftskandidat:innen, ihre Wahlkampfteams und Unterst\u00fctzer:innen wurden unter falschen Anschuldigungen inhaftiert oder ins Exil gezwungen. Die Polizei setzte willk\u00fcrliche und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Gewalt ein, um Demonstrationen aufzul\u00f6sen. Zehntausende friedliche Demonstrierende und unbeteiligte Passant:innen wurden inhaftiert, viele von ihnen erlitten Folter und andere Misshandlungen. Auch Journalist:innen, Sanit\u00e4ter:innen, Studierende, f\u00fchrende Gewerkschafter:innen und viele weitere Personen wurden festgenommen, verpr\u00fcgelt und strafrechtlich verfolgt. Die erste Reaktion der Regierung auf die Corona-Pandemie war unzureichend. Auch 2020 ergingen wieder Todesurteile.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"block block-ctools-block block-entity-fieldnodefield-body-paragraphs\">\n<div class=\"field field--name-field-body-paragraphs field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items\">\n<div class=\"field__item\">\n<div class=\"paragraph paragraph--type--simple-text paragraph--view-mode--default\">\n<h2 id=\"section-18860062\">Hintergrund<\/h2>\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-field-simple-text-text field--type-text-long field--label-hidden field__item\">\n<p>Sich verschlechternde Wirtschaftsprognosen, die unzureichende Reaktion auf die Corona-Pandemie und zahlreiche aufhetzende \u00c4u\u00dferungen von Pr\u00e4sident\u00a0Alexander\u00a0Lukaschenko trugen dazu bei, dass seine Popularit\u00e4t 2020 drastisch sank. Im Vorfeld der Pr\u00e4sidentschaftswahl am 9. August gab er in Fernsehsendungen, die zur besten Sendezeit ausgestrahlt wurden, frauenfeindliche Erkl\u00e4rungen ab. Zugleich eskalierten willk\u00fcrliche Inhaftierungen, politisch motivierte Verfolgungen und andere Repressalien gegen Oppositionskandidat_innen, ihre Anh\u00e4nger_innen, politische und zivilgesellschaftliche Aktivist_innen sowie unabh\u00e4ngige Medien. Ein oppositionelles B\u00fcndnis um die Pr\u00e4sidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja brachte Frauen an die Spitze einer wachsenden Protestbewegung, die das ganze Land und die gesamte Gesellschaft erfasste. W\u00e4hrend Pr\u00e4sident Lukaschenko nach der Wahl behauptete, er habe einen erdrutschartigen Sieg davongetragen, wurde das Ergebnis von Swetlana Tichanowskaja lautstark angefochten und von zahlreichen unabh\u00e4ngigen Wahlbeobachter_innen als gef\u00e4lscht eingestuft. Die Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die an der Entsendung von Wahlbeobachter_innen gehindert worden war, erhielt glaubw\u00fcrdige Berichte \u00fcber weit verbreitete Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten und massives Fehlverhalten staatlicher Stellen. Die Proteste gegen die Durchf\u00fchrung und das offizielle Ergebnis der Wahl breiteten sich rasch im ganzen Land aus und blieben trotz eines brutalen Vorgehens der Beh\u00f6rden \u00fcberwiegend friedlich. Personen, von denen angenommen wurde, dass sie die Proteste anf\u00fchrten, wurden umgehend inhaftiert oder au\u00dfer Landes gezwungen. Die Beziehungen der Regierung zu einem Gro\u00dfteil der internationalen Staatengemeinschaft verschlechterten sich drastisch, und es gab gezielte Sanktionen gegen zahlreiche belarussische Staatsbedienstete, die an Wahlverst\u00f6\u00dfen und Menschenrechtsverletzungen beteiligt waren. Russland bekr\u00e4ftigte seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die belarussische Regierung und leistete finanzielle Hilfe.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field__item\">\n<div class=\"paragraph paragraph--type--simple-text paragraph--view-mode--default\">\n<h2 id=\"section-18860063\">Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung<\/h2>\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-field-simple-text-text field--type-text-long field--label-hidden field__item\">\n<p>Um jegliche Opposition und Kritik zu unterbinden, wurde das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung 2020 massiv beschnitten, unter anderem durch die gezielte Verfolgung von Einzelpersonen und Medien, aber auch durch Gesetzes\u00e4nderungen, staatlichen Druck, die Abschaltung des Internets und andere technische Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Die Medien unterlagen nach wie vor der strengen Kontrolle durch die Regierung. Unabh\u00e4ngige Journalist_innen und Medienorganisationen wurden schikaniert und daran gehindert, ihren legitimen T\u00e4tigkeiten nachzugehen. Allein zwischen Mai und Oktober dokumentierten lokale Beobachter_innen mehr als 400 F\u00e4lle von Festnahmen, Folter und anderen Misshandlungen Medienschaffender. Um eine unzensierte Berichterstattung zu verhindern, wurde ausl\u00e4ndischen Medien die Akkreditierung verweigert oder entzogen. Staatlich kontrollierte Druckereien weigerten sich, Ausgaben inl\u00e4ndischer Zeitungen, wie zum Beispiel der\u00a0<em>Komsomolskaja Prawda,<\/em>\u00a0zu drucken, die regierungskritische Artikel enthielten. Dem gro\u00dfen Online-Nachrichtenportal TUT.by wurde die Lizenz entzogen. Nataliya Lyubneuskaya, die f\u00fcr die unabh\u00e4ngige Zeitung\u00a0<em>Nasha Niva<\/em>\u00a0arbeitete, war eine von mindestens drei Journalist_innen, die am 10. August von der Polizei mit Gummigeschossen angegriffen wurden. Sie musste operiert werden und verbrachte 38 Tage im Krankenhaus. Gegen mehrere Blogger_innen und Journalist_innen wurden politisch motivierte Strafverfolgungsma\u00dfnahmen eingeleitet. Zu ihnen z\u00e4hlte Ihar Losik, der Mitbetreiber eines beliebten Telegram-Kanals, der am 25.\u00a0Juni unter haltlosen Anschuldigungen inhaftiert wurde und sich Ende 2020 noch immer in Untersuchungshaft befand.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden n\u00f6tigten Internetprovider, w\u00e4hrend der ersten drei Protesttage nach den Wahlen und sp\u00e4ter w\u00e4hrend der allw\u00f6chentlichen Demonstrationen das mobile Internet fast vollkommen abzuschalten, um eine Koordinierung der Proteste und den Informationsaustausch zu verhindern. Gegen Webseiten unabh\u00e4ngiger Medien wurden routinem\u00e4\u00dfig Zugangsbeschr\u00e4nkungen verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Abweichende Meinungen, die sich in der gesamten Gesellschaft verbreiteten, wurden umgehend brutal unterdr\u00fcckt. Studierende, Akademiker_innen, Sportler_innen, Pers\u00f6nlichkeiten aus den Bereichen Religion und Kultur sowie Angestellte staatlicher Unternehmen waren mit Entlassungen, Amtsenthebungen, Disziplinarverfahren oder gar Strafverfahren konfrontiert, weil sie sich gegen die Regierung ausgesprochen, friedliche Proteste unterst\u00fctzt oder an Streiks teilgenommen hatten.<\/p>\n<p><strong>Frauen<\/strong><\/p>\n<p>Frauen mit abweichenden Ansichten waren geschlechtsspezifischen Repressalien ausgesetzt. Sie wurden mit gezielten Drohungen unter Druck gesetzt, die sie an ihren vermeintlich wunden Punkten treffen sollten. So drohte man ihnen mit sexueller Gewalt oder damit, ihre Kinder in staatliche Obhut zu nehmen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field__item\">\n<div class=\"paragraph paragraph--type--simple-text paragraph--view-mode--default\">\n<h2 id=\"section-18860064\">Recht auf Versammlungsfreiheit<\/h2>\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-field-simple-text-text field--type-text-long field--label-hidden field__item\">\n<p>Das Recht auf Versammlungsfreiheit war 2020 weiterhin \u00fcberm\u00e4\u00dfig stark eingeschr\u00e4nkt. Die Verwaltungsstrafen, die gegen friedlich Demonstrierende verh\u00e4ngt wurden, waren oft h\u00e4rter als die Strafen f\u00fcr manch kriminelle Handlung.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Jahres wurden Dutzende Aktivist_innen wegen &#8222;Verwaltungsvergehen&#8220;, die sie angeblich w\u00e4hrend friedlicher Proteste Ende 2019 begangen hatten, zu hohen Geldstrafen oder zu Verwaltungshaft verurteilt. Teilweise bestand die Strafe aus mehreren aufeinanderfolgenden Haftzeiten, weil das gesetzliche Maximum der Verwaltungshaft bei 15 Tagen lag.<\/p>\n<p>Insgesamt wurden vom Beginn des Pr\u00e4sidentschaftswahlkampfes im Mai bis zur Wahl selbst Hunderte Menschen willk\u00fcrlich festgenommen, unter ihnen friedlich demonstrierende B\u00fcrger_innen, Online-Aktivist_innen und unabh\u00e4ngige Journalist_innen. Die Festnahmen erfolgten oft durch M\u00e4nner in Zivil, die rechtswidrig Gewalt einsetzten und Fahrzeuge ohne Kennzeichen benutzten. Gegen Dutzende Personen wurden Geldstrafen und Verwaltungshaft verh\u00e4ngt. Nach der Wahl protestierten in ganz Belarus Hunderttausende Menschen regelm\u00e4\u00dfig und friedlich gegen das offizielle Ergebnis. Zehntausende wurden festgenommen, Hunderte wurden gefoltert oder anderweitig misshandelt und streng bestraft. Bei einer Reihe von Festnahmen sahen Vertreter_innen von Amnesty International das unbegr\u00fcndete, willk\u00fcrliche und brutale Vorgehen mit eigenen Augen.<\/p>\n<p>Allein vom 9. bis zum 12.\u00a0August wurden nach Angaben der Regierung 6.700 Demonstrierende inhaftiert. Die allw\u00f6chentlichen friedlichen Proteste gingen im ganzen Land weiter, sowohl auf den Stra\u00dfen als auch in Staatsbetrieben, Theatern, Universit\u00e4ten und anderswo. Offiziellen und unabh\u00e4ngigen Sch\u00e4tzungen zufolge wurden bis Mitte November mehr als\u00a025.000\u00a0Menschen inhaftiert, darunter auch zahlreiche Zuschauer_innen und Journalist_innen. Wiederholt wurden an einem einzigen Tag mehr als 1.000 Personen festgenommen.<\/p>\n<p>Lokale Menschenrechtsorganisationen dokumentierten mehr als 900 Strafverfahren mit Anklagen gegen mindestens 700 Personen.<\/p>\n<p>Die Polizei, oft in Zivil gekleidet, ging wahllos und mit exzessiver Gewalt gegen Demonstrierende vor, sie feuerte Gummigeschosse aus kurzer Distanz in die Menge, setzte Blendgranaten, chemische Reizstoffe, Wasserwerfer, automatische Schusswaffen mit Platzpatronen, Schlagst\u00f6cke und andere Mittel ein, um friedliche Menschenmengen zu zerstreuen und Einzelpersonen festzunehmen. Mindestens vier Menschen wurden von den Sicherheitskr\u00e4ften get\u00f6tet, einige weitere starben unter ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend viele Demonstrierende und Passant_innen wahllos und willk\u00fcrlich angegriffen wurden, gerieten andere wegen ihrer beruflichen T\u00e4tigkeit ins Visier der Polizei, zum Beispiel Medienschaffende, die \u00fcber die Ereignisse berichteten, und freiwillige Sanit\u00e4ter_innen, die sich um die Verwundeten k\u00fcmmerten. Wieder andere wurden wegen ihrer sexuellen Identit\u00e4t herausgegriffen. Am 26.\u00a0September nahm die Polizei die Menschenrechtsverteidigerin Victoria Biran auf dem Weg zu einer Kundgebung fest, nachdem sie als LGBTI-Aktivistin identifiziert worden war. Sp\u00e4ter wurden 15 Tage Verwaltungshaft gegen sie verh\u00e4ngt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field__item\">\n<div class=\"paragraph paragraph--type--simple-text paragraph--view-mode--default\">\n<h2 id=\"section-18860065\">Recht auf Vereinigungsfreiheit<\/h2>\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-field-simple-text-text field--type-text-long field--label-hidden field__item\">\n<p>Die Beh\u00f6rden gingen 2020 brutal gegen jede Art von unabh\u00e4ngigen Vereinigungen vor, die sich dem Schutz der Menschenrechte und der friedlichen Opposition gegen die Regierung verschrieben hatten, wie zum Beispiel Initiativen von Menschenrechtsbeobachter_innen, oppositionelle Wahlteams und unabh\u00e4ngige Gewerkschaften. Dutzende Menschen wurden inhaftiert, unbegr\u00fcndet strafrechtlich verfolgt, in Verwaltungshaft genommen oder mit Gef\u00e4ngnis oder Ausweisung bedroht.<\/p>\n<p>Am 6. Mai wurde der popul\u00e4re Blogger und Pr\u00e4sidentschaftskandidat Sergej Tichanowskij 15 Tage lang unbegr\u00fcndet in Verwaltungshaft genommen, um seine Kandidatur zu verhindern, woraufhin seine Frau, Swetlana Tichanowskaja, entschied, selbst zu kandidieren. Als er am 29.\u00a0Mai in Grodno Unterschriften f\u00fcr sie sammelte, versuchte man ihn zu provozieren, und er wurde auf der Stelle zusammen mit mindestens sieben seiner Mitarbeiter festgenommen. Sie wurden sp\u00e4ter gemeinsam mit anderen bekannten oppositionellen Bloggern im Zuge strafrechtlicher Ermittlungen nach Artikel 342 des Strafgesetzbuches (&#8222;Organisation oder aktive Teilnahme an Gruppenaktionen, die die \u00f6ffentliche Ordnung grob verletzen&#8220;) angeklagt.<\/p>\n<p>Ein weiterer Pr\u00e4sidentschaftsanw\u00e4rter, Viktor Babariko, wurde mit seinem Sohn Eduard Babariko, Mitgliedern seines Teams und ehemaligen Kolleg_innen wegen konstruierter Vorw\u00fcrfe, die sich auf Wirtschaftsdelikte bezogen, ebenfalls festgenommen, um ihn von der Wahl auszuschlie\u00dfen und andere Pr\u00e4sidentschaftsanw\u00e4rter_innen abzuschrecken.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Lukaschenko brandmarkte den von Swetlana Tichanowskaja initiierten und von einem siebenk\u00f6pfigen Pr\u00e4sidium geleiteten oppositionellen Koordinierungsrat als &#8222;versuchte Machtergreifung&#8220;. Am 20.\u00a0August leiteten die Beh\u00f6rden strafrechtliche Ermittlungen nach Artikel 361 Strafgesetzbuch (&#8222;Aufruf zu Handlungen, die die nationale Sicherheit zu untergraben suchen&#8220;) gegen das Gremium ein. Ende 2020 waren alle Pr\u00e4sidiumsmitglieder und viele ihrer Unterst\u00fctzer_innen inhaftiert oder ins Exil gezwungen worden.<\/p>\n<p>Am 7. September 2020 wurde die Oppositionsf\u00fchrerin Maria Kolesnikowa entf\u00fchrt und mit zwei Mitarbeitern zur ukrainischen Grenze gebracht. Dort drohte man ihr mit Gef\u00e4ngnis, sollte sie das Land nicht freiwillig verlassen. W\u00e4hrend ihre Mitarbeiter die Grenze passierten, zerriss Maria Kolesnikowa ihren Pass und verhinderte so ihre Ausweisung. Die Beh\u00f6rden hielten sie zwei Tage lang ohne Kontakt zur Au\u00dfenwelt in Haft und leugneten ihre Inhaftierung. Anschlie\u00dfend nahm man sie unter falschen Beschuldigungen als mutma\u00dfliche Straft\u00e4terin in Untersuchungshaft. Auch Maxim Snak, ein weiteres Pr\u00e4sidiumsmitglied, wurde verschleppt und inhaftiert.<\/p>\n<p>Am 17.\u00a0September nahmen Sicherheitskr\u00e4fte die Menschenrechtsverteidigerin Marfa Rabkova vom Menschenrechtszentrum\u00a0<em>Viasna<\/em>\u00a0fest. Sie wurde sp\u00e4ter wegen &#8222;Vorbereitung von Massenunruhen&#8220; in Zusammenhang mit ihrer Menschenrechtsarbeit angeklagt und blieb in Untersuchungshaft.<\/p>\n<p>Der Vorsitzende der unabh\u00e4ngigen belarussischen Gewerkschaft, Anatoli Bakun, wurde in Zusammenhang mit politischen Streiks in der Kalimine\u00a0<em>Belaruskali<\/em>\u00a0in Salihorsk wiederholt willk\u00fcrlich festgenommen und nacheinander zu insgesamt 55 Tagen Verwaltungshaft verurteilt. Drei weitere aktive Gewerkschafter, Yury Karzun, Syarhei Charkasau und Pavel Puchenya, waren zwischen September und November wegen desselben &#8222;Vergehens&#8220; jeweils 45 Tage in Haft.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field__item\">\n<div class=\"paragraph paragraph--type--simple-text paragraph--view-mode--default\">\n<h2 id=\"section-18860066\">Folter und andere Misshandlungen<\/h2>\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-field-simple-text-text field--type-text-long field--label-hidden field__item\">\n<p>Die Beh\u00f6rden setzten 2020 systematisch Folter und andere Misshandlungen gegen Menschen ein, die bei Protesten festgenommen wurden, seien es Demonstrierende, Journalist_innen oder Umstehende. \u00d6rtliche und internationale Gruppen dokumentierten Hunderte solcher F\u00e4lle im ganzen Land.<\/p>\n<p>UN-Menschenrechtsexpert_innen erhielten 450 Zeugenaussagen \u00fcber Misshandlungen von Inhaftierten, die durch Fotos, Videos und medizinische Beweise untermauert waren und eine f\u00fcrchterliche Liste von Verst\u00f6\u00dfen dokumentierten. Sie belegten, wie Demonstrierende bei der Festnahme, w\u00e4hrend des Transports und in der Haft in stark \u00fcberf\u00fcllten Einrichtungen gefoltert und misshandelt wurden. M\u00e4nner, Frauen und Minderj\u00e4hrige wurden gedem\u00fctigt, brutal geschlagen und sexualisierter Gewalt ausgesetzt, sie erhielten w\u00e4hrend langer Haftzeiten keinen Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung. Den Inhaftierten wurde auch das Recht verweigert, ihre Angeh\u00f6rigen \u00fcber ihren Aufenthaltsort zu informieren, in einigen F\u00e4llen w\u00e4hrend der gesamten Dauer der Verwaltungshaft. Auch der Zugang zu ihren Rechtsbeist\u00e4nden wurde ihnen verweigert. An sie gerichtete Briefe und Pakete wurden zur\u00fcckgehalten und warme Kleidung und Hygieneartikel, wie zum Beispiel Produkte der Monatshygiene f\u00fcr Frauen, beschlagnahmt.<\/p>\n<p>Die belarussischen Beh\u00f6rden gaben zu, dass sie etwa 900 Beschwerden \u00fcber Misshandlungen durch die Polizei in Zusammenhang mit den Protesten erhalten hatten. Bis zum Jahresende war aber noch keine einzige strafrechtliche Ermittlung eingeleitet und noch keine Angeh\u00f6rigen der Beh\u00f6rden unter Anklage gestellt worden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field__item\">\n<div class=\"paragraph paragraph--type--simple-text paragraph--view-mode--default\">\n<h2 id=\"section-18860067\">Recht auf Gesundheit<\/h2>\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-field-simple-text-text field--type-text-long field--label-hidden field__item\">\n<p>Die erste Reaktion der Regierung auf die Pandemie war unangemessen. Pr\u00e4sident Lukaschenko tat Covid-19 als &#8222;Psychose&#8220; ab. Als es die ersten best\u00e4tigten Todesopfer gab, erkl\u00e4rte er, sie seien aufgrund ihres Lebensstils gestorben. Er empfahl Traktorfahren, Wodka und Saunabesuche als Heilmittel und weigerte sich, st\u00e4rkere Einschr\u00e4nkungen zu verh\u00e4ngen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field__item\">\n<div class=\"paragraph paragraph--type--simple-text paragraph--view-mode--default\">\n<h2 id=\"section-18860068\">Todesstrafe<\/h2>\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-field-simple-text-text field--type-text-long field--label-hidden field__item\">\n<p>Belarus war auch 2020 das einzige Land Europas und der ehemaligen Sowjetunion, das Todesurteile verh\u00e4ngte. Mindestens vier M\u00e4nner sa\u00dfen Ende des Jahres in den Todestrakten. Gerichte verh\u00e4ngten mindestens drei Todesurteile, zwei davon gegen Br\u00fcder im Alter von 19 und 21 Jahren. Es wurden keine Hinrichtungen gemeldet.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field__item\">\n<div class=\"paragraph paragraph--type--simple-text paragraph--view-mode--default\">\n<h2 id=\"section-18860069\">Ver\u00f6ffentlichungen von Amnesty International<\/h2>\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-field-simple-text-text field--type-text-long field--label-hidden field__item\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/documents\/eur49\/2748\/2020\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span lang=\"DE\" xml:lang=\"DE\">Crackdown from the top: Gender-based reprisals against women activists in Belarus (Public statement, 17 July)<\/span><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2020\/08\/belarus-election-protests-police-crackdown\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Belarus: Police unleash appalling violence on peaceful protesters (News story, 10 August)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2020\/11\/belarus-more-than-1000-people-arrested-in-a-single-day-of-peaceful-protests-amid-escalating-repression-of-rights\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Belarus: More than 1,000 people arrested in a single day of peaceful protests amid escalating repression of rights (News story, 9 November)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2020\/11\/belarus-peaceful-protester-held-by-police-after-beating-dies-in-hospital\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Belarus: Peaceful protester held by police after beating dies in hospital (News story, 13 November)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/documents\/eur49\/2814\/2020\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Belarus: A criminal case involves a growing number of the regime\u2019s critics (Public statement, 30 July)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/documents\/eur49\/3040\/2020\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Belarus: &#8222;They are stealing the best of us&#8220;. Arbitrary arrests and forced expulsion of leading opposition activists (Public statement, 10 September)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/informieren\/amnesty-report\/belarus-2020\">Quelle: Amnesty International<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr 2020 war in Belarus von nicht nachlassenden friedlichen Protesten gepr\u00e4gt. 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